Autor: Christina Buchner

Unscheinbar und unvezichtbar – die Benenngeschwindigkeit

Die Benenngeschwindigkeit gibt an, wie schnell ein „Etwas“, das du gesehen hast, benannt werden kann. Es geht also um das Sehen, Erkennen und Umsetzen in Sprache.Dieses „Etwas“, das du siehst, erkennst und in Sprache umsetzt, also benennst, kann ein Buchstabe, eine Zahl, eine Farbe oder ein Gegenstand sein. Es ist klar, dass diese Funktion sehr viel mit dem Lesen zu tun hat. Die Benenngeschwindigkeit, die Vorschulkinder aufbringen, ist ein wichtiger Prädiktor für die spätere Leseleistung.Oder andersherum: Bei Untersuchungen in vierten Klassen hat sich gezeigt, dass schwache Leser eine deutlich geringere Benenngeschwindigkeit aufweisen als gute Leser. Vor dem Aussprechen kommt das Erkennen Das hatten wir ja schon: Buchstaben werden leichter erkannt und sicherer im Gedächtnis gespeichert, wenn das abstrakte Zeichen mit Bild und Handlung verknüpft ist. In diese didaktische Schublade gehört auch die Arbeit am Wortschatz. Gerade bei Kindern mit Migrationshintergrund oder aus nur schwach literalisierten Familien kannst du in der Schule wirklich etwas bewirken, wenn du auf diesen Teilbereich didaktische Mühe verwendest. Und auch für Kinder, die ein Wortschatztraining nicht so nötig haben wie ihre …

Neu: So führst du Kinder zur flüssigen Schreibschrift

Warum haben so viele Kinder Schwierigkeiten mit dem Rechtschreiben? Die Antwort gibt dieses Buch: Wer nie gründlich das Schreiben gelernt hat, wer motorisch nur schwer in der Lage ist, den Stift zu halten und in den richtigen Bewegungen über das Papier zu führen, der wird für die richtige Schreibweise von Wörtern wenig bis gar keine Energie mehr aufwenden können. In diesem Fachbuch wird erstmals auf die Grundlagen des Schreibens eingegangen. Es wird dafür plädiert, vor dem Rechtschreiben erst einmal das Schreiben richtig zu lernen. Erst wenn der Vorgang des Schreibens mühelos geworden ist, sind die Kinder auch in der Lage, sich auf die richtige Schreibweise von Wörtern zu konzentrieren. Christina Buchner, Richtig schreiben geht natürlich, Norderstedt, 2023

Handschrift – notwendige Kulturtechnik oder überflüssige Qual?

Was sagt die Wissenschaft? Da sind sich mittlerweile so gut wie alle einig, dass das Schreiben mit der Hand weit mehr ist als einfach nur das Fixieren von Inhalten auf Papier. Tippen auf einer Tastatur ersetzt nicht das Schreiben mit der Hand – das ist ein Denkfehler, der in einigen Ländern zu einem rasanten Anstieg des funktionalen Analpabetismus geführt hat. Auch wenn nun vielerorts zurückgerudert wird – zunächst einmal ist ein immenser Schaden entstanden und die Zeche bezahlen die Schüler.Hier sollen nur einige Stichpunkte zum Nutzen des Schreibens mit der Hand angeführt werden, die in allen Publikationen auftauchen: Die Liste könnte noch länger sein, aber bereits die angeführten Pluspunkte müssten überzeugend genug sein, um zu verdeutlichen, dass sich Handschreiben nicht einfach durch das Tippen auf einer Tastatur ersetzen lässt. Erstes Schreiben in Druckschrift Das Lesenlernen soll durch Schreiben der gelernten Buchstaben begleitet werden, allerdings zunächst noch in Druckschrift. Dieses Schreiben erleichtert das Speichern und Wiedererkennen, weil visuelle Wahrnehmung und feinmotorischer Ablauf hier einander verstärkend ergänzen. Wie die ersten Schreibversuche sinnvoll angelegt werden können, dazu findest …

Vom Entziffern zum echten Lesen

Lesenkönnen ist nicht selbstverständlich – viele Erwachsene können es nicht richtig Es gibt im Handel sehr viel Material für das Üben der Funktionen, die dem „richtigen“ Lesen vorgelagert sind, also für das Entziffern von Wörtern, Sätzen und kurzen Texteinheiten.Doch das ist nicht genug, um eine tragfähige Basis für lebenslanges geläufiges und sicheres Lesen zu bilden.Dafür müssen die Kinder an das sinnverstehende Lesen von altersangemessenen Kinderbüchern herangeführt und dazu befähigt werden.Diejenigen Kinder, die sich zu echten Lesern weiterentwickeln, werden das nicht, wenn sie nur das in der Schule angebotene Übungsmaterial bearbeiten. Wir haben in Deutschland ca. 7,5 Millionen funktionale Analphabeten, das ist jeder 7. Erwachsene. Sie können einzelne Wörter lesen, aber keine zusammenhängenden Texte. Für diese Menschen ist der Alltag eine einzige Herausforderung. Jeder Behördengang wird zum Spießrutenlauf. Alle diese Menschen sind einmal zur Schule gegangen und haben das Lesen „gelernt“. Doch was bedeutet das in der Realität?Genügt es wirklich, einen Leselehrgang nur mit dem Lesefutter zu gestalten, das sich in Fibeln und auf Arbeitsblättern findet?Wir können uns die Sache natürlich leicht machen, indem wir alle, …

Regenbogendiktate – einfach organisiert

Die erste Übungsliste Bevor Kinder sich zum Diktat melden, müssen sie erst einmal üben. Dafür gibt es ein Blatt mit verschiedenen Übungen, aus denen die Kinder aussuchen können. Diese Entscheidung treffen sie selbstständig.Die Übungen werden in ein unliniertes DIN-A4-Heft geschrieben. Das hat den Vorteil, dass die Kinder frei gestalten können, denn gerade Treppenwörter oder Wortrahmen vertragen sich schlecht mit der Gängelung durch die Lineatur. Und es soll die Konzentration auf die Schreibweise gerichtet sein und auf eine ordentliche Gestaltung der Buchstaben, das geht meiner Erfahrung nach im Kontext Rechtschreibung besser, wenn zuerst einmal auf unliniertem Papier gearbeitet wird. Das heißt nicht, dass ich dem „Schönschreiben“ in den Schreibheften keine Bedeutung beimesse, aber das ist ein anderer Teilbereich. Geübt wird in Fünferpäckchen Im vorigen Beitrag habe ich den grundsätzlichen Umgang mit den Fünferpäckchen auf den Wörterlisten beschrieben.Der Ablauf ist dreischrittig: So wird diktiert Es werden sich, je länger die Arbeit an den Wörterlisten schon andauert, immer mehr Kinder zum Diktat melden. Ich hatte oft mehr als zehn Kinder um mich herum. Um das gut und ohne …

Augen auf beim Autofahren

Die meisten jungen Leute wollen so bald wie möglich den Führerschein machen. Das ist auch gut so, denn selber autofahren zu können ist ein bedeutendes Stück Autonomie. Nur: Die Durchfallqote bei den Fahrprüfungen steigt seit Jahren, so der Vizevorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, Kurt Bartels, in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 30.12.2022. Und weiter: „Der junge Mensch, der heute in die Fahrschule kommt, hat eine ganz andere Verkehrswahrnehmung als noch vor 20 Jahren – nämlich eine geringere.“ Die Fähigkeit, das Verkehrsgeschehen richtig zu beurteilen und einzuordnen, habe nachgelassen.Bartels führt das auch darauf zurück, dass bereits Kinder, wenn sie auf dem Gehsteig gehen oder auch im Auto gefahren werden, nicht mehr auf die Welt um sich herum achten, sondern nur noch auf ihr Smartphone schauen. Das ist eine sehr kluge Beobachtung. Denn Raumwahrnehmung, Raumorientierung und Raumvorstellung können in unserem Gehirn nur entwickelt werden, wenn es Gelegenheit hat, sich in der echten Wirklichkeit damit auseinanderzusetzen, zu lernen und zu üben. Es geht nichts über das echte Leben Nun werden aber echte dreidimensionale Erfahrungen im Leben unserer …

Halte die Lernfreude aufrecht

In der ersten Schulwoche Kinder zu begeistern, ist leicht. Aber wie geht es dann weiter? Wohin verschwindet die Begeisterung? Bei dem Sohn meiner Freundin setzte die Ernüchterung nach zwei Wochen ein. Er fand es doof, immer nur Sachen zu machen, die er bereits kannte und konnte. Im Rechnen wurde nur bis Fünf immer wieder plus und minus „gerechnet“. Er konnte schon bis 100 zählen und hätte gerne irgendetwas getan, bei dem er denken musste. Im Lesen wurden auf der Fibelseite so läppische Texte „gelesen“ wie: Mia ist im …Mama ist am …Am … ist Mimi An Stelle der Punkte waren Bilder von Kinderwagen, Fenster und Stuhl zu sehen.Das sind ja nun wirklich keine Texte, die ein einigermaßen intelligentes Kind interessieren, geschweige denn begeistern können. Was könnte die Schule besser machen? Das ist eine Frage, mit der ich mich seit vielen Jahren beschäftige und sie kann auch beantwortet werden. Dazu musst du als Lehrerin allerdings erst einmal die Einsicht haben, dass ein bloßes Abarbeiten vorgegebener Schulbücher nicht zielführend ist.Und dann musst du dich umsehen nach passenden …

Schulfrust? – Nix da!

Die ersten Wochen sind prägend Ob in der ersten Klasse oder auch in einer höheren Jahrgangsstufe: Zu Beginn des Schuljahres ist die Lernmotivation am höchsten. Damit sie erhalten bleibt, müssen wir Lehrer alles daran setzen, jedem Kind Lernfortschritte zu ermöglichen und den Unterrichtsvormittag sinnvoll zu rhythmisieren. Es soll schließlich nicht so enden wie bei dem folgenden Beispiel:

Die Chancen des Schulanfangs nutzen

Lesenlernen gelingt durch Faszination Das ist Anton mit dem langen Arm. In der Geschichte möchte er immer schon groß sein und alles mit seinen Armen erreichen können. Ein Zauberer erfüllt ihm den Wunsch. Doch wie glücklich ist Anton nun? Lesenlernen gelingt durch Faszination Das ist Anton mit dem langen Arm. In der Geschichte möchte er immer schon groß sein und alles mit seinen Armen erreichen können. Ein Zauberer erfüllt ihm den Wunsch. Doch wie glücklich ist Anton nun?

So weit muss es nicht kommen

Wenn bereits bei der Druckschrift heftig radiert, unleserlich verbessert und insgesamt wenig sorgfältig gearbeitet wird, sieht es für das Erlernen einer gut lesbaren Schreibschrift erst recht düster aus. Also: Wehret den Anfängen! Das ist bei der – zunächst – ja durchaus vorhandenen Lernfreude und Begeisterung der Erstklässler gar nicht so schwer. Einige Grundsätze sind wichtig: Grundsatz 1: Es ist NICHT egal, in welcher Richtung der Stift über das Papier geführt wird. Die richtige Schreibrichtung soll also von Anfang an ein wichtiges Thema sein. Grundsatz 2: Die Buchstabenformen sollen auf vielfältige Weise geübt werden:– Großräumig in der Luft,– auf unliniertem Papier,– mit Knete,– auf dem Boden.So werden die Formen verinnerlicht. Grundsatz 3: Fehler werden von Anfang an sauber mit Durchstreichen und nochmal Schreiben verbessert. Nicht so: Sondern lieber so: Grundsatz 4: Wir haben ein wachsames Auge darauf, Fehlformen zu verhindern oder wenigstens sie schnell zu erkennen und zu verbessern. Der gerade Strich am a verführt zum schlampigen Schreiben. Das Häkchen gibt der Schrift Halt und verhindert Fehlformen leichter. Auch wenn die offizielle Druckschrift nur den geraden …